Die Wasseramsel

Singvogel unter Wasser

Die Wasseramsel ist bestens an ihren Lebensraum - langsam fliessende, sauerstoffreiche klare und saubere Gewässer mit kiesigem Untergrund, die ganzjährig Wasser führen - angepasst. Strukturen im Bachbett wie Steine oder Felsen sind als Ansitzwarte wichtig. Zudem muss eine gewisse Deckung durch die Ufervegetation gegeben sein.
Sie hat ein wasserdichtes, warmes Gefieder, das vor Unterkühlung schützt. Wie die meisten Vögel fettet auch die Wasseramsel ihre Federn mit Fett aus der Bürzeldrüse ein, die jedoch bis zu zehnmal grösser ist als bei anderen Singvögeln gleicher Körpergrösse. Das Federkleid ist gut vor eindringendem Wasser geschützt, so dass bei auftauchenden Wasseramseln Tropfen wie Perlen auf dem Gefieder glänzen. Unter den Konturfedern tragen die Vögel einen feinen Federpelz, der ihre Körper gut isoliert.

Um sich auch in rauschendem Wasser am Boden halten zu können, schwimmen die Vögel leicht schräg zur Strömung, mit geducktem Kopf und aufgestelltem Schwanz, sodass sie die Kraft der Strömung nutzen und leicht hinabgedrückt werden. Hierbei hilft auch, dass ihre Knochen im Gegensatz zu deren anderer Singvögel weniger Luft enthalten.

Mit kräftigen Beinen und Zehen können die Vögel am Bachgrund laufen und sich festhalten, während sie als einziger Singvogel Europas ihre Nahrung am Gewässergrund suchen. Als Beute sucht sie im Wasser Kleintiere wie Würmer, Gliederfüssler, Weichtiere, kleine Fische und Amphibien. Häufig kommen auch Larven und Nymphen von Köcher-, Eintags und Steinfliegen, Bachflohkrebse, Wasserkäfer, kleine Schnecken und Strudelwürmer in Frage. Wasseramseln können auch gut klettern. Die kurzen gerundeten Flügel benutzt die Wasseramsel bei der Fortbewegung unter Wasser wie Ruder. Seine kurzen Tauchgänge startet der Vogel oft von Steinen inmitten der Strömung aus.

Beim Fliegen sind die Flügel aufgrund ihrer Form ebenso wie der kurze Schwanz für wendige Manöver nicht geeignet.

Die Augen der kleinen Vögel sind so ausgebildet, dass sie über Wasser ebenso gut sehen können wie darunter, sofern das Wasser ungetrübt ist. Tauchen Wasseramseln, verschliessen sie über einen Reflex die Nasenlöcher und Ohren.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht. Selbst der zwitschernde langsame Gesang ist hier keine Hilfe, denn er wird von beiden Geschlechtern nahezu das ganze Jahr vorgetragen. Wasseramseln rufen kurz "ziitt" wenn sie dicht über die Wasseroberfläche fliegen. Der Gesang wird vom Rauschen den Wassers oft übertönt. Daher bedienen sich die Wasseramseln auch optischer Signale, allen voran das "Knicksen" genannte Schwanzwippen. Möglicherweise spielen auch die weissen Lidränder als optisches Signal eine Rolle.